Kleiner Statistikführer

Statistik schön und gut. Aber was genau ist das eigentlich? Und wer bitteschön macht sowas? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Statistik?

Die Statistik ist eine Methode, um Verbindungen zwischen Erfahrung und Theorie herzustellen. Also dem, was man so sieht und warhnimmt, und dem, was man daraus für Schlüsse über die Welt ziehen kann. Das erfolgt anhand von etlichen Messungen, Umfragen und Studien. Die werden hinterher analysiert, mathematisch ausgewertet und meistens tabellarisch oder grafisch vereinfacht für uns Nicht-Statistik-Profis dargestellt.

Allein im Statistischen Bundesamt verfassen rund 2.800 Zahlenexperten jedes Jahr verschiedene Statistiken zu allen erdenklichen Themen. Und dann gibt es noch die Statistischen Landesämter. Bei all den statistischen Erhebungen werden Dinge aufgeklärt wie die durchschnittliche Wohnfläche oder die häufigsten Reiseziele der Deutschen. Wie im Fall unseres Durchschnittsdeutschen: Thomas Müller. Sein Name, seine Größe, sein Gewicht und alles was sein Leben beschreibt wurde anhand statistischer Vorgehensweisen ausgerechnet. Die Aufträge dazu kommen von anderen Bundesbehörden oder der EU.

Auch in der Wirtschaft wird fleißig gemessen. In unzähligen Firmen-Abteilungen wird erhoben, was den Menschen gefällt, was sie brauchen und was sie bald brauchen werden. Da wird nachgerechnet, wie zufrieden die Kunden sind, wie lange ein Produktionsprozess dauert, und wie sich der Bedarf an warmer Wäsche mit Blick auf den Klimawandel verändern wird. Wer keine eigene Abteilung für so etwas hat, der kann auch eine der vielen Marktforschungsinstitute und Beratungsfirmen mit der Erhebung und Interpretation der Daten betrauen.

Zu den staatlichen und wirtschaftlichen Zahlenjongleuren kommen natürlich noch all die Wissenschaftler, die versuchen, die Welt in Zahlen abzubilden. In fast jeder Disziplin wird das gebraucht. Denn als gesicherte Erkenntnis gilt nur, was mit entsprechenden Daten belegt werden kann.

Wozu braucht man Statistik überhaupt?

Ein klares gesellschaftliches Beispiel dafür ist: Wenn keine ausgewerteten Daten über eine Altersstruktur der Bevölkerung existieren würden, dann wüsste man nicht wie viele Kindergärten oder Schulen unser Volk braucht. Die Folgen wären große Fehlinvestitionen. Ohne Schülervorausberechnungen würde eine Planung für die Anzahl an neuen Lehrkräften fehlen. Wichtige Entscheidungen würden dann auf nicht nachgeprüften Annahmen und Spekulationen beruhen. Somit sind statistische Sachverhalte wichtig für das gesellschaftliche Handeln und ein funktionierendes und gemeinsames Zusammenleben. Aber auch ganz alltägliche Dinge, wie die Konsumvorlieben der Deutschen, werden anhand von Statistik erforscht. Das Projekt „Deutschlands häufigstes Wohnzimmer" der Werbeagentur Jung von Matt zeigt, wie das Leben der Durchschnittsfamilie „Müller" aussieht.

Was macht Statistik für uns interessant?

Fast jeder verbindet mit dem Begriff Statistik irgendwelche komplizierten Tabellen, Grafiken oder noch schlimmer: die Mathematik. Dabei kann Statistik sehr interessant und des öfteren auch unterhaltsam sein – vor allen Dingen wenn man nicht gerade Sozialwissenschaften, Psychologie oder Mathematik studiert. Es gibt unzählige lustige Fakten über die Deutschen. Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt oder wo die meisten freien Plätze im Zug zu finden sind zeigt ein unterhaltsamer Blog – das Graphitti Blog.

Jedoch sollte man nicht jeder beliebigen Statistik Glauben schenken. Ein bekanntes Zitat besagt: „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast." Das stimmt so aber eigentlich gar nicht. Man muss eine Statistik nicht fälschen, um mit ihr Verwirrung zu stiften.

Die Frage, die man sich immer stellen sollte, bevor man sich ein Zahlenwerk zu Gemüte führt: Was wird hier überhaupt wie dargestellt? Wenn zum Beispiel das Brutto-Einkommen der Deutschen mit einer vollen Arbeitsstelle benannt wird, dann heißt das gleichzeitig: Das bezieht sich nicht auf alle. Wer halbtags arbeitet oder als Freiberufler, der taucht hier nicht auf.

Wichtig ist es daher jede Statistik auf ihren Wert und ihrem Bezug zu überprüfen, bevor man sie nutzt. Denn natürlich kann ich mit einer geschickten Auswahl der verwendeten Daten und einer knackigen Überschrift bestimmte Dinge in einem positiven Licht erscheinen lassen. Man sollte nicht nur auf die Zahlen achten, sondern auch einen genauen Blick auf die Anzahl der Befragten, deren Geschlecht oder Alter werfen und dabei nicht vergessen: Es geht immer um einen rein rechnerischen Wert.

Wie funktioniert Statistik?

Grundsätzlich gibt es zwei wesentliche Ansätze, die sich voneinander unterscheiden: Der qualitative und der quantitative.

Qualitativ gibt immer eine Antwort auf die Frage „wie". Hier wird die Beschaffenheit eines Messobjektes geklärt. Da es sich um Eigenschaften handelt, wird es hier schwerer damit zu rechnen.

Für Zahlen-Fetischisten sind quantitative Methoden viel spannender. Da geht es ausschließlich ums „wieviel". Und dafür haben sich die Experten über die Jahre eine Menge verschiedener mathematischer Werkzeuge ausgedacht. Nicht um Studenten zu quälen, sondern um Rechenoperationen so zu standardisieren, dass am Ende ein Ergebnis rauskommt, das nicht nur richtig ist, sondern auch etwas aussagt – also so etwas wie eine Geschichte erzählt.

Man nehme zum Beispiel den Mittelwert: Wenn wir das arithmetische Mittel berechnen – besser bekannt als Durchschnitt -, dann ist das Ergebnis schon mal interessant. Wenn wir wissen, dass alle Bundesbürger im Schnitt mehr als 2.000 Euro Einkommen im Jahr haben. Das sagt etwas über allgemeinen Wohlstand aus. Aber es sagt nichts darüber aus, wie das Geld genau verteilt ist. Haben vielleicht wenige viel und viele wenig Geld zur Verfügung?

Der Durchschnitt kann das nicht erklären. Der Median – ein anderer Mittelwert – hingegen schon. Dafür schaut man sich an, wie viele Menschen überhaupt gemessen werden. Man zählt sie durch und nummeriert sie. Bei demjenigen schließlich, dessen Nummer in der Mitte liegt, bei dem liegt der Median. Die Höhe seines Einkommens ist die Höhe, bei der sich die Gesellschaft in zwei zahlenmäßige Hälften teilt. Je nachdem, wie stark diese Summe vom Durchschnitt abweicht, kann man Rückschlüsse darauf ziehen, wie das Geld genau verteilt sein könnte.

Das sind nur zwei Instrumente aus einem gewaltig großen Werkzeugkasten, mit dem Experten in bloßen Zahlen große Geschichten entdecken können.

Text: Aliona Zakharova/Jochen Voß

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